Homocystein

2012 – mäßig erhöhtes Homocystein wahrscheinlich doch  kein KHK Risiko !

Erhöhter Homocysteinspiegel gleich erhöhtes KHK-Risiko?
Seit zwei Jahrzehnten versuchen Forscher zu klären, ob hohe Homocysteinspiegel das KHK-Risiko erhöhen und die Einnahme von Folsäure das Risiko reduziert. Ist die Debatte jetzt beendet?

Nach Meinung von Dr. Robert Clarke von der Universität Oxford in Großbritannien ist die Homocystein-Frage geklärt. Da Beobachtungsstudien aufgrund der vielen Einflussmöglichkeiten schwierig zu beurteilen sind, hat man in zahlreichen Studien eine „Mendelsche Randomisierung“ gewählt.

Hierbei nutzt man einen relativ verbreiteten Polymorphismus im MTHFR-Gen, das zuständig für die Herstellung von Methylentetrafolat-Reduktase ist. Dieses Enzym baut mithilfe von Folsäure Homocystein ab. Homozygote Mutationsträger (TT) haben lebenslang um etwa 25% höhere Homocysteinspiegel als die Normbevölkerung ohne Mutation (CC).
Publikations-Bias schuld an scheinbar erhöhtem KHK-Risiko?

Laut einer vorangegangen Metaanalyse von 86 Studien tragen TT-Homozygote ein 15% höheres KHK-Risiko. Dr. Clarke und seine Mitarbeiter vermuteten hier aber einen Publikations-Bias, da eventuell nur positive Studien veröffentlicht wurden. Aus diesem Grund werteten sie weitere 19 bisher noch nicht veröffentlichte Fall-Kontroll-Studien mit 48 175 KHK-Fällen und 67 961 Kontrollen zu dieser Fragestellung aus.

Das Ergebnis: Kein signifikanter Unterschied im KHK-Risiko zwischen TT-Probanden und CC-Kontrollen. Die Autoren schließen daraus, dass lebenslang mäßig erhöhte Homocysteinspiegel offensichtlich kein erhöhtes Risiko für eine KHK mit sich bringen. Dies passt auch zu einer Metaanalyse prospektiver Interventionsstudien, in der eine Vitamin-B-Supplementation keinen signifikanten Effekt auf die 5-Jahres-Inzidenz einer KHK hatte.

Quelle: R. Clarke et al; PloS Med 2012; 9: online first