Carotissinusstimulation

Barorezeptor-Stimulation lindert refraktäre Hypertonie
Allen Erfolgen der antihypertensiven Pharmakotherapie zum Trotz gelingt es bei 20 bis 30 Prozent der Patienten nicht, den Blutdruck medikamentös unter Kontrolle zu bringen. Ein „Schrittmacher“ für die Barorezeptoren am Karotissinus könnte möglicherweise vielen dieser Patienten helfen.

Die Stimulation der Barorezeptoren dämpft den Sympathikus und fördert den Parasympathikus, was eine Reihe potenziell blutdrucksenkender Effekte zur Folge hat, erklärte John Bisognano, Universität Rochester: Die Herzfrequenz sinkt, die Arterien erweitern sich und verlieren an Steifigkeit, die Diurese nimmt zu, die Reninsekretion ab. Mit einem Rheos® genannten System sollen diese Effekte therapeutisch genutzt werden.

In einer Studie an 265 Patienten mit refraktärer Hypertonie haben Bisognano und Kollegen das System erprobt, das aus einem unterhalb des Schlüsselbeins implantierten Impulsgeber und zwei an den Karotissinus angelegten Elektroden besteht und die Barorezeptoren rhythmisch mit sechs Volt stimuliert. Alle Patienten bekamen das System, aber nur bei der Hälfte (Gruppe A) wurde es nach einer kurzen Gewöhnungsphase gleich eingeschaltet, bei den übrigen (Gruppe B) erst nach einem halben Jahr. Die Gesamtlaufzeit der Studie betrug ein Jahr; wer zu welcher Gruppe gehörte, wusste weder der betreuende Arzt noch der Patient.

Die Studiengruppe hatte fünf gleichberechtigte primäre Endpunkte definiert. Nr. 1 und 3 – Kurzzeit-Response und Kurzzeit-Nebenwirkungen – wurden verfehlt, weil nach sechs Monaten nur 54 Prozent in Gruppe A eine Blutdrucksenkung um mindestens 10 mmHg erreicht hatten (Gruppe B: 46 Prozent) und nach 30 Tagen nur 75 Prozent frei von Nebenwirkungen waren. 76 Prozent aller Nebenwirkungen verschwanden von selbst wieder.

Die wichtigeren Endpunkte wie Langzeit-Response, Verminderung von Hypertonie-Komplikationen und Langzeit-Nebenwirkungen wurden aber erreicht, berichtete Bisognano beim ACC. Nach zwölf Monaten hielt die Blutdrucksenkung bei 88 Prozent der Patienten in Gruppe A immer noch an und lag im Schnitt bei 35 mmHg systolisch. Hypertone Krisen traten in den ersten sechs Monaten 40 Prozent seltener auf als in Gruppe B. Fast 90 Prozent aller Patienten blieben langfristig von Nebenwirkungen verschont.

Das Ergebnis sei umso bemerkenswerter, als die Patienten mit durchschnittlich fünf Antihypertensiva stark vorbehandelt waren, so Bisognano. Weitere Analysen zeigten, dass die linksventrikuläre Hypertrophie unter aktiver Therapie deutlich zurückgegangen war und nach zwölf Monaten in beiden Gruppen mehr als die Hälfte der Patienten den systolischen Zielblutdruck von unter 140 mmHg erreicht hatten – bei einem Ausgangswert von 175 bis 180 mmHg.

Die kontinuierliche Barorezeptor-Stimulation ist also neben der renalen Denervierung, die im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt hat, das zweite erfolgversprechende neue Verfahren für refraktäre Hypertoniker. Im Vergleich zu der Denervierung bietet die Barorezeptor-Stimulation laut Bisognano den Vorteil, dass die Therapie durch Anpassung der Stromstärke und der Impulsfrequenz quasi titriert werden kann, wenn sich individuelle Gegebenheiten des Patienten ändern.

Quelle:

Bisognano J: Results from the Rheos Pivotal Trial – Baroreflex Activation Therapy Sustainable Lowers Blood Pressure in Patients with Resistant Hypertension. Symposium “Featured Clinical Research”; Kongress des American College of Cardiology 2011, New Orleans 2.-5. April 2011

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