Bluthochdruck und Vorhofflimmern

Kongressnachrichten 2003

Der Fokus der Behandlung von Vorhofflimmern lag bisher im Wesentlichen auf der Wiederherstellung des Sinusrhythmus. Doch dieses Betreben ist häufig frustran. Zwar ist die elektrische Kardioversion in der Regel erfolgreich, doch selbst unter derzeit potentesten antiarrhythmischen Prophylaxe mit Amidaron ( Cordarex, Sanofi-Synthelabo) bleiben maximal zwei Drittel der Betroffenen über wenigstens ein Jahr rezidivfrei. Dazu kommt, dass die Erwartungen, mit der Rhythmisierung auch die Prognose der Patienten zu verbessern, nicht erfüllt wurden. In der AFFIRM-Studie (N=4060) hatte sich nach einer durchschnittlichen Laufzeit von dreieinhalb Jahren bei der Überlebensrate und Schlaganfallinzidenz kein Vorteil gegenüber der ausschließlichen Regularisierung der Kammerfrequenz ergeben. Ein zentrales Problem des erhöhten Blutdrucks ist die Linksherzhypertrophie, die nicht nur das kardiale Leistungsvermögen, sondern auch die elektrische Stabilität vermindern kann. Das italienische PIUMA-Projekt ist dieser Fragestellung sehr dezidiert nachgegangen. Dabei kam heraus, dass die strukturellen Umbauprozesse das Vorhofflimmerrisiko mehr als verdoppeln. Zur Verhinderung potenzieller Hypertoniekomplikationen komme es aber nicht alleine darauf an, den erhöhten Blutdruck zu senken, betonte Connolly, sondern auch auf das “Wie”. Die aussichtsreichste Strategie ist für ihn die Hemmung des kompensatorisch aktivierten Renin-Angiotensin-Systems mit einem AT 1-Rezeptorantagonisten. Gabriele Blaeser-Kiel. Vorträge/Poster und Satellitensymposien beim XXV Congress of the European Society of Cardiology (ESC) 2003 in Wien. Deutsches Ärzteblazz Jg 100 Heft 40. 3.Oktober 2003.

Kommentar: Die Empfehlung der Anwendung von AT1 Rezeptorenblocker ist derzeit noch keine etablierte Therapieempfehlung . Weitere Studien zu diesem Thema sind erforderlich.

Chads2 Score

CHADS2-Score zur Abschätzung des Schlaganfallrisikos
bei Vorhofflimmern[5]
Bei Vorliegen von … …                                     ergibt sich
C (chronic heart failure) Strukturelle Herzerkrankung, die
Herzinsuffizienz verursacht                                    1 Punkt
H (hypertension) Arterielle Hypertonie
(auch behandelt)                                               1 Punkt
A (age) Alter > 75 Jahre                                       1 Punkt
D (diabetes) Diabetes mellitus                                 1 Punkt
S (stroke) Durchgemachter Schlaganfall oder
transitorische ischämische Attacke                             2 Punkte

Hilfreich zur einfachen Abschätzung des Schlaganfallsrisikos bei Vorhofflimmern ist der sogenannte CHADS2-Score, der in etwas modifizierter Form auch in den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie empfohlen wird[5]. Wenn der Score = 0 beträgt, also kein Risikofaktor für einen Schlaganfall vorliegt, überwiegt das Risiko einer schweren Blutung und es sollte höchstens eine Antikoagulation mit Acetylsalicylsäure (ASS, 100-300 mg/Tag) erfolgen. Bei einem Score = 1 muß eine individuelle Abwägung im Einzelfall erfolgen (je nach Schwere und Häufigkeit des Vorhofflimmerns, Schwere der Risikofaktoren etc.) und bei einem Score >1 sollte eine Antikoagulation mit Cumarinen erfolgen (INR 2-3).

Selbst unter angemessener Behandlung mit Cumarinen kommt es bei Risikopatienten recht häufig zu Hirnembolien. Unter Verwendung der empfindlichen Magnetresonanztomografie konnte innerhalb von drei Jahren bei 21 % der Hochrisikopatienten Hirninfarkte nachgewiesen werden, von denen allerdings mehr als die Hälfte keine Symptome verursachte. Ein hohes Embolierisiko fand sich bei Patienten mit dichten Spontanechos im linken Vorhof, mit einer geringen Blutflussgeschwindigkeit im linken Vorhofsohr und bei jenen, die bereits zuvor eine Embolie erlitten hatten. Von den Patienten ohne eines dieser Merkmale erlitten nur sieben Prozent in den drei Jahren eine Hirnembolie.[6]
Übernommen aus Wikipedia 2009

Welche Medikamente schützen vor Vorhofflimmern ?

· Manche Senker des Blutdrucks mindern Vorhofflimmerrate .
Bei Hypertonikern, die eine Langzeit – Monotherapie mit ACE- Hemmem, Angiotensin- Rezeptorblockern oder Betablockern erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit, Vorhofflimmem zu entwickeln, geringer
als bei Patienten mit Calciumantagonisten. Das hat eine Studie ergeben,
deren Daten Dr. Beat A. Schaer vom Universitätshospital in Basel veröffentIicht hat (Annals of Internal Medicine, 2010; 152:78). Im Vergleich zu Calciumantagonisten war die Rate bei den anderen Medikationen um ein Viertel geringer. Für die Fallkontroll-Studie wurden Daten aus der britischen General Practice Research Database ausgewertet. Sie stammen von mehr als 650 000 Patienten. (2010)

Die Stellungnahme der European Society of Hypertension ist 2009 in Zusammenfassung:
Datenlage widersprüchlich mit einem kleinen Trend zum Nutzen für RAS Blocker bei der Prävention von Vorhofflimmern
Betablocker zeigten in einer Metaanalyse mit 12000 Patienten eine deutliche Reduktion von Vorhofflimmern bei Patienten mit wiederholtem Vorhofflimmern und systolischer Herzinsuffizienz.

 

Reference: Bluthochdruck und Vorhofflimmern