Bluthochdruck und Übergewicht

Risiken durch zuviel Bauch-und Hüftfett vergleichbar

Dtsch Arztebl 2011; 108(25): A-1430 / B-1202 / C-1198
Heinzl, Susanne
Übergewicht und kardiovaskuläre Erkrankungen: Risiken durch zu viel Bauch- und Hüftfett vergleichbar
MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
In den letzten Jahren publizierte Daten weisen daraufhin, dass eine zentrale Adipositas („Apfelform“) stärker mit erhöhten kardiovaskulären Risiken assoziiert ist als ein erhöhter Body-mass-Index (BMI). Es gibt jedoch nur wenige aussagekräftige, prospektive Studien, die diesen Hinweis untermauern. Forscher der Universität Cambridge haben Daten von 221 934 Patienten aus 58 prospektiven Studien auf einen Zusammenhang zwischen BMI, Körperform und kardiovaskuläre Erkrankungen ausgewertet. Todesursachen und/oder vaskuläre Morbidität waren nach definierten Kriterien erfasst. Die Patienten wurden mindestens ein Jahr lang beobachtet. Prof. Dr. med. Manfred Müller (Kiel) bemängelt, es fehlten Angaben zur Methodik, denn ein grundsätzliches Problem, vor allem multizentrischer Studien, sei, dass anthropometrische Indizes ohne strenges Untersuchungsprotokoll erfasst würden. Dies schwäche bei gepoolten Daten die Aussage. So wird der Taillenumfang an verschiedenen Stellen (Höhe der größten Vorwölbung des Bauches, über dem Nabel, in der vorderen Axillarlinie auf der Hälfte der Verbindungslinie zwischen unterem Rippenbogen und Spina iliaca anterior) gemessen. In einigen Studien erfolgte die Messung mit Bekleidung oder von den Teilnehmern selbst.

Mehr als 14 000 Patienten erlitten eine Herzattacke oder einen Schlaganfall. Die Ergebnisse der Analyse bestätigen, dass Übergewicht ein wichtiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen ist. Das Risiko war jedoch ähnlich stark erhöht, wenn als Grundlage der Beurteilung der BMI, der Taillenumfang oder das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang verwendet wurden. So betrug bei Personen mit einem BMI ≥ 20 kg/m² die Hazard Ratio für eine kardiovaskuläre Erkrankung 1,23 bei Beurteilung anhand des BMI, 1,27 bei Beurteilung anhand des Taillenumfangs und 1,25 bei Verwendung des Verhältnisses von Taillen- zu Hüftumfang. Nach Adjustierung an den systolischen Blutdruck, den Diabetes mellitus in der Anamnese sowie die Gesamt- und HDL-Cholesterol-Werte betrugen die entsprechenden HRs 1,07, 1,10 und 1,12. Das kardiovaskuläre Risiko wird also vor allem durch hohen Blutdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen bestimmt. Dennoch darf die Bedeutung des Übergewichts als modifizierbarer Risikofaktor nicht vernachlässigt werden.

Fazit: Die Fettverteilung hat keinen Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko, das Risiko ist für bauch- und hüftbetonte Fettansammlung ähnlich. Die Beziehungen zwischen anthropometrischen Indizes und Morbidität seien allerdings differenziert zu sehen, kommentiert Prof. Dr. med. Manfred Müller, insbesondere bei Diabetes mellitus Typ 2. BMI und Taillenumfang seien eher für das metabolische, weniger für das vaskuläre Risiko prädiktiv. Ferner gelte es, im Hinblick auf das kardiovaskuläre Risiko zu berücksichtigen, dass anthropometrische Indizes eher mit Triglycerid- und dem HDL-Spiegel als mit LDL-Werten assoziiert seien.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Emerging Risk Factors Collaboration Coordinating Centre: Separate and combined associations of body-mass index and abdominal adiposity with cardiovascular disease: collaborative analysis of 58 prospective studies. Lancet online publiziert am 11. März 2011; doi: 10.1016/S0140-6736(11)60105-0.

Reference: Bluthochdruck und Übergewicht