Bluthochdruck und Schwangerschaft

Hochdruckformen in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft lassen sich verschiedene Hochdruckformen unterscheiden. Dabei ist die richtige Einordnung richtungsweisend für den Verlauf der Erkrankung (Prognose), zumal die milde chronische Hypertonie im Vergleich zur Präeklampsie und Pfropfgestose (s.dort) keine erhöhte Gefährdung für Mutter und Kind bedeutet.
(übertragen aus MMW 37 Nr. 50 2002 Priv. Doz.Dr.Homuth )
Schwangerschaftsbedingte Bluthochdruckerkrankung:

Gestationshypertonie : ohne Proteinurie – ohne Eiweißausscheidung

Bluthochdruck mit Proteinurie – mit Eiweißausscheidung

a) Präeklampsie ( anderes Wort : Gestose)
aa) sog. genuine (Ursache unbekannt) Präeklampsie/Gestose

ab) Propfgestose (aufgepropft auf eine chronische Hypertonie, Nierenerkrankung, Diabetes mellitus, Kollagenose (autoimmune
Bindegewebserkranung aus dem rheumatischen Formenkreis)

Schwangerschaftsunabhängige (vorbestehende ) Hypertonie

Chronische Hypertonie als sog. primäre ( Ursache unbekannt) Hypertonie und die Sekundäre Hypertonie ( Ursache begründet in Nierenleiden, Hormonstörungen u.v.a.m.)

Eklampsie / Präeklampsie – was ist das ?

Die Präeklampsie oder auch EPH- Gestoste genannt gehört neben der
schwangerschaftsbedingten Blutung zu den häufigsten Schwanger-
schaftkomplikationen.
E= edema = Ödeme : Nur eine generalisierte Wassereinlagerung ist als
Risikohinweis zu werten. (sehr rasche Gewichtszunahme)
500 g pro Woche höchstzulässige Gewichtszunahme
in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft.
Die alleinige Anwesenheit von sog. peripheren Ödemen,
d.h.Schwellungen der Beine oder Arme hat keine Bedeutung
als Risikofaktor.
P= proteinurie= Eiweiß im Urin: krankhaft über 0,3g/l im 24 std.-Urin.

H= hypertension=Hypertonie=Bluthochdruck: Blutdruckanstieg über 140/90
mHg als Leitsymptom (-erscheinung) beginnender Grad 1 sowohl der Hypertonie wie auch der Gestose, wenn noch eine Proteinurie hinzutritt.
Die Präeklampsie startet typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche.
Sie schädigt vorallem die Plazenta und kann die mütterlichen Nieren,die Leber und das Gehirn schädigen.
Es gibt keine bewiesene Möglichkeit die Präeklampsie zu verhindern. Es ist jedoch extrem wichtig, alle Schwangeren mit beginnenden Zeichen einer Präeklampisie sehr engmaschig zu überwachen.
Zeichen einer bedrohlichen Krankheitsentwicklung sind das Hinzutreten von
Kopfschmerzen, Ohrensausen, Augenflimmern, Sehstörungen, Schläfrigkeit Übelkeit, motorische Unruhe und Hyperreflexie.
Die einzige Behandlungsmöglichkeit der Präeklampsie oder Eklampsie ist die Einleitung der Geburt.

Gestationshypertonie- was versteht man darunter ?

Unter Gestationshypertonie versteht man eine Bluthochdruckerkrankung von Schwangeren, welche ohne Eiweißausscheidung im Urin einhergeht.
Diese Bluthochdruckentwicklung ist im Allgemeinen an das dritte Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) gebunden und klingt innerhalb von einer bies spätestens 6 Wochen nach der Entbindung wieder ab. Sie hat meist nur geringe Bedeutung dür den Schwangerschaftsverlauf, kann aber das erste Symptom (Krankheitszeichen) einer sich entwickelnden Präeklampsie oder einer sich später entwickelnden essentiellen Hypertonie sein.
(übertragen nach MMW 37 Nr. 50/2002 Priv.Doz.Homuth)

Eine Buchempfehlung aus dem NEJM:

Buchtitel: Hypertension in Pregnancy:
Edited by Michael A. Belfort, Steven Thornton, and George R. Saade. 384 pp., illustrated. New York, Marcel Dekker, 2003. $165. ISBN 0-8247-0827-X.

Blutdruck im Schwangerschaftsverlauf

Das Geburtsgewicht war am höchsten, wenn die Frauen in der 34. SSW einen diastolischen Blutdruck von 70 bis 80 mmHg hatten. Es lag niedriger bei Abweichungen nach ober und unten. Die Beziehung zwischen diastolischen Blutdruck und perinataler Mortalität ist und- oder muldenförmig mit einem Tiefpunkt bei 82,7 mmHg, so dass sowohl höherer als auch niedrigerer Blutdruck signifikant mit erhöhter perinataler Mortalität einhergehen. Kommentar: Offensichtlich hat der Blutdruck im letzten Trimester eine besonders hohe physiologische Bedeutung. Bei nierdrigem Blutdruck in der Frühschwangerschaft ist ein Anstieg um 15-30 mmHg im weiteren Verlauf vorteilhaft für Geburtsgewicht und perinatale Mortalität. Bei Frauen, die mit einem höheren Druck starten, ist aber bestenfalls ein Anstieg um weniger als 15 mmHg nützlich. Die Daten belegen einmal mehr, wie wichtig die Blutdruckmessung bei der Schwangerschaftsvorsorge ist. P.J. Steer et al. Maternal Blood pressure in pregnancy. Brit. Med. J. 329 ( 2004) 1312-1314.

Vitamin C und Vitamin E in der Schwangerschaft zur Vermeidung von Schwangerschaftsbedingter Hypertonie

Die Gabe von Vitamin C und Vitamin E in der 9. und der 16. Schwangerschaftswoche hat nicht zur Verminderung einer schwangerschaftsbedingten Hypertonie und damit verbundenen Schädigungen geführt  NEJM 2010  Clinical Trials gov.number NCT00135707

 

 

Reference: Bluthochdruck und Schwangerschaft