Bluthochdruck – Abklärung sekundärer Ursachen

Clonidin-Test : Was versteht man darunter

Clonidin ist ein Alpha-adrenager Argonist, der zentral angreift und die Freisetzung von Katecholaminen (Streßhormonen) unterdrückt. Beim Feochromozytom (meist ein Tumor der Nebenniere ist ein Anstieg der Plasmacatecholaminen (Streßhormone im Blut) nicht durch die Erhöhung der Sympaticusaktivität (z.B. durch Streß) sondern autonom (vom Organismus unbeeinflusst) bedingt.
Durchführung des Clonidin-Testes: Mindestens 24 Stunden vor Beginn sollte eine Bluthochdruckbehandlung abgesetzt werden. Ausgenommen sind sogenannte Calcium-Antigonisten bei sehr hohen Blutdruckwerten (wenn systolisch über 180 und diastolisch über 110 mmHg). Es sollte der Test nach 12 stündiger Bettruhe und Fasten durchgeführt werden. Ca. 30 Minuten vor Testbeginn sollte eine Dauerkanüle gelegt worden sein. Der Patient erhält bei Testbeginn 0,30 mg Clonidin oral. Blutentnahmen werden mit Testbeginn sowie in den folgenden 3 Stunden halbstündlich zur Bestimmung von Noradrenalin durchgeführt.
Die Bewertung Unterdrückung der Noradrenalinmenge im Blut auf mindestens 50% des Ausgangswertes oder auf unter 500 ng/l weißen auf Feochromozytom hin.

Urinsammlung von “Katecholaminen” : wie und warum !

Als Suchtest für Tumore des ” Sympatu-Adrenalen-Systems ” wird der Urinsammeltest verwendet. Im Urin werden die Stoffwechselprodukte dieser Tumore, welche hohen Blutdruck machen können, bestimmt. Diese Stoffwechselprodukte heißen Katecholamine und Katecholaminmetabolitte. Weitere Stoffwechselprodukte sind Metanephrin und Normetanephrin sowie Vanillinmandel und Homovannilinsäure.
Bei der Sammlung von Urinproben ist berücksichtigen, daß starke körperliche Aktivität zu einer erhöhten Ausscheidung der Streßhormone (Katecholamine) führen kann. Ebenso ist die ausgeprägte Tagesabhängigkeit der Urinausscheidung von Adrenalin Norardrenalin und Vanillinmandelsäure zu berücksichtigen. In der Regelm sollte man eine 24 Stundensammelprobe zur Untersuchung einsetzen.
Wichtig ist, daß dem Sammelgefäß 10 ml 10%ige Salzsäure vorgegeben werden. Das Harnvolumen muß bekannt sein und das untersuchende Labor benötigt etwa 20 ml der Urinprobe zur Bestimmung.

Katecholamine im Blut ?

Die Menge an Streßhormonen im Blut ist sehr variabel. Insbesondere führen körperliche und seelische “Streßfaktoren” zu ausgeprägten Schwankungen. Darüberhinaus findet sich ein erheblicher “Biorhythmus” der Menge an Streßhormon im Körper.
Die Blutentnahmen sollten am liegenden Patienten erfolgen. Ca. 30 Minuten vor der Blutabnahme ist eine Venenverweilkanüle zu legen. Durch eine Infussion wird die Dauerkanüle offen gehalten. Grund für das Zweitseitige Vorgehen, ist, daß bei der Venenpunktion oder beim Übergang vom Liegen zum Stehen bis zum Anstieg der Streßhormonkonzentrationen im Blut von 50-100% der Ausgangskonzentrationen kommen kann.
Wegen dieser Ausgeprägten Störwirkungen wird die Bestimmung der Stoffwechselprodukte der Streßhormone im Urin bevorzugt.

Fünf Verdachtsmomente für Nierenarterienstenose

Lt. einer Studie in der Med.Kin. 97 S.335-343 rührt bereits jeder sechste Fall einer chronischen Dialysepflichtigkeit davon her , daß verengte Nierenarterien zu einer Nierenmangeldurchblutung geführt haben. Es ist jedoch unmöglich, alle Hypertoniker entsprechend abzuklären.
Es ist sinnvoll eine Abklärung dann vorzunehmen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Nierenarterienverengung mindestens 25 Prozent beträgt. Dies ist der Fall,
1) wenn bei einer schweren Hypertonie die Nieren im Ultraschall unterschiedlich groß sind ( Unterschie mehr als 1,5 cm)

2) wenn bei allgemeiner arteriosklerose ein Bluthochdruck plötzlich auftritt oder sich verschlechtert.

3) wenn der Bluthochdruck auch mit einer Zweifach-Bluthochdrucktherapie nicht ausreichend einstellbar ist.

4) wenn der “Nierenwert” – Kreatinin unter der Behandlung mit einem ACE Hemmer um mehr als 20 Prozent ansteigt

5) wenn im Oberbauch mit dem Stethoskop ein Strömungsgeräusch nachweisbar ist, welches bis in die Diastole reicht.

Vorgeschlagen wird von den Autoren eine Captopril Szinitgraphie oder eine farbkodierte Doppler Sonographie der Nierenarterien zur Abklärung.

Die teure MRT wird als Reservemethode angesehen.

(Ich halte diese Vorschläge für reichlich weltfremd und empfehle genau das umgekehrte Vorgehen. Die Captopril-Szintigraphie macht kaum eine Institution im Routinebetrieb, wie sich bei einer Fortbildungsveranstaltung in Würzburg in der Diskussion zeigte. Der Nierendoppler ist ungemein schwierig,zeitaufwändig und sehr stark Untersucherabhängig. Die MRT Untersuchung ist zwar relativ teuer – bringt aber verwertbare Ergebnisse, welche sich für die Therapieentscheidungen sofort umsetzen lassen. Langfristig hilft die bessere Diagnostik Leben retten und Behandlungskosten durch eine rasche Krankheitsklärung sparen.)

Wird eine Nierenarterieneinengung festgestellt, dann heißt das noch lange nicht, daß die Stenose auch direkt “repariert” werden muß. Neuere Untersuchungen mit Veröffentlichung im NEJM zeigten, daß die Behandlung einer Stenose sehr genau von Fachleuten diskutiert werden muß.
(2003)

 

Reference: Bluthochdruck - Abklärung sekundärer Ursachen