Blutdruckmessung II

Wie kann die Blutdruckmessung bei Armamputierten erfolgen?

Die Blutdruckmessung muss bei Oberarm-Amputation im Liegen am Bein erfolgen. Die Messung ist dabei sowohl am Ober- als auch am Unterschenkel möglich. Für eine Blutdruckmessung am Oberschenkel muss wegen des großen Beinumfangs eine längere und breitere Messmanschette als am Oberarm verwendet werden (Breite 18 cm, Länge 36 cm). Die Manschette wird über dem Knie angelegt. Bei Verwendung eines Gerätes mit Stethoskop können die Gefäßgeräusche in der Kniekehle gehört werden, bei einem oszillometrischen Gerät werden die Werte direkt auf dem Display abgelesen. Bei einer Blutdruckmessung am Unterschenkel wird die Manschette über dem Knöchel angelegt. Ist der Unterschenkelumfang an dieser Stelle kleiner als 33 cm, so kann zur Messung die übliche Oberam-Manschette verwendet werden. Ist der Umfang größer als 33 cm, dann muss eine breitere und längere Manschette angelegt werden (Breite 18 cm, Länge 36 cm). Ein Gerät mit Stethoskop ist zur Messung am Unterschenkel nicht zu empfehlen, da die Gefäßgeräusche am Fußrücken schlecht zu hören sind. Es muss daher ein oszillometrisch messendes Gerät verwendet werden, das die Werte für den Blutdruck auf dem Display anzeigt. Alternativ kann der Arzt, der die Ultraschallsonde besitzt, den Blutdruck am Unterschenkel auch mittels Ultraschall bestimmen, allerdings kann damit nur der systolische (obere) Blutdruckwert ermittelt werden. Normalwerte: Die Blutdruckwerte sind am Knöchel normalerweise um 10 mmHg höher als am Oberarm.

Fehlermöglichkeiten: Bei älteren Patienten (über dem 50. Lebensjahr) muss mit Durchblutungsstörungen der Beine durch Verengungen (Stenosen) der Beingefäße gerechnet werden. Dies sind als sicher anzunehmen, wenn der Patient Beschwerden beim Gehen hat (Schmerzen in den Waden). Dann sind die am Knöchel gemessenen Werte gegenüber den maßgeblichen Werten in der Brustschlagader zu niedrig und ein Bluthochdruck im Körper wird dann durch eine Messung am Bein verkannt. Aber auch Verengungen der Bein- oder Beckengefäße, die noch keine Beschwerden verursachen, können zu erniedrigten Blutdruckwerten am Bein führen. Verengungen der Beingefäße können durch eine Ultraschall-Doppler-Untersuchung der Beingefäße erkannt werden. Ist eine Verengung nachgewiesen, dann kann eine Blutdruckmessung nur noch mittels Katheter erfolgen, der von außen über eine Arteriein die große Brustschlagader vorgeschoben wird. Eine solche “blutige” Blutdruckmessung muss auch angewendet werden, wenn die Beingefäße stark verkalkt (sogenannte Mediasklerose) sind. Dann gelingt es nämlich nicht, die Unterschenkel-Arterie über dem Knöchel zusammenzudrücken, selbst wenn die Manschette bis auf 300 mmHg aufgepumpt wird; ein “unblutige” Messung des Blutdrucks am Bein ist dann nicht möglich.

Aus der Mitgl. Zeitschrift Druckpunkt der Hochdruckliga Antwort von Prof. Dr. med. Dieter Klaus aus Dortmund. Gründungsmitglied der Deutschen Hochdruckliga” und Mitbegründer von Druckpunkt

 

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