Behandlung von Bluthochdruck

Was können Sie selbst gegen Ihren hohen Blutdruck tun ?

Der hohe Blutdruck und seine Folgen können günstig beeinflußt werden, wenn Sie Ihre Lebensweise hierauf einstellen.
Oberstes Ziel ist immer die Vermeidung von Gefäßverkalkung ( Arteriosklerose ), wozu der Bluthochdruck als Schrittmacher beiträgt.
Das Körpergewicht sollte langfristig normalisiert werden. Dies ist die beste und sicherste Maßnahme um dauerhaft den Blutdruck
zu senken. Dabei ist  die richtige Ernährung besonders hilfreich: Eher salzarm, wenig Alkohol, mehr Obst, weniger Fett, ” gesündere ” Öle,
mehr Fisch – weniger Kalorien.
Ansonsten gilt: Abbau von krankmachendem Streß und völliges Rauchverbot ! Mehr Bewegung. Wichtig : mäßig aber regelmäßig.

Mit welchem Bluthochdruckmittel sollte man eine Behandlung beginnen?

Verschiedene Studien der letzten Monate haben hier eine weitere Klärung gebracht. Wahrscheinlich ist es nicht entscheidend mit welchem der Basismedikamente : Diuretikum, Betablocker, Calciumantagonist oder ACE Hemmer man die Behandlung beginnt. Entscheidend ist vielmehr, daß die Behandlung vertragen wird und konsequent (lebenslang) überwacht und je nach Blutdruckwerten beibehalten wird.
Verschiedene Meinungen zu diesem Thema:
2003: Prof. F. Meyer , veröffentl. im BDI aktuell 06-2003: 5. Schlussfolgerung : Die eingangs gestellte Frage ,Was tun?” ist eindeutig zu beantworten. Diuretika und ACE-Hemmer sind äquieffektiv. Über ihre Anwendung  entscheiden demzufolge Nebenwirkungen, Kontraindikationen und die resultierenden Therapiekosten. Der Nutzen von Beta-Blockern und langwirksamen Calcium-Antagonisten ist ebenfalls lhnreichend belegt. Der Stellenwert von Losartan in der Hochdrucktherapie bei älteren Patienten kann noch nicht eindeutig beantwortet werden. Von Losartan automatisch auf alle Sartane zu schließen bleibt das Privileg der Hochdruckliga.
Kommentar: Dieser Meinung schliesse ich mich an. (2003)

Eine wichtige Studie zu dieser Frage ist die sog. Allhat-Studie: Die ALLHAT – Studie ist mit über 42000 anfangs beteiligten Hypertonikern die größte jemals aufgelegte Hochdruckstudie.  Zu klären war die Frage, ob moderne Blutdrucksenker speziell in der Prävention  von Koronarereignissen ebenso oder besser wirksam sind als ein Diuretikum. Die Antwort war eigentlich eindeutig: Gemessen am primären Studienendpunkt – tödliche KHK-Ereignisse und nicht-tödliche Myokardinfarkte – bestand in ALLfIAT kein signifikanter Unterschied zwischen den Vertretern moderner Wirkprinzipien (Amlodipin als Kalziumantagonist und Lisinopril als ACE-Hemmer) und dem Referenzdiuretikum Chlortalidon.
Kommentar: einverstanden . s.o.: Der immer wieder aufgebrachte Vorwurf, daß der ACE Hemmer wegen des großen Anteiles an Afroamerikanern zu schlecht wegkomme könnte zwar stimmen, die Größenordnung des evtl. Wirkvorteiles der ACE Hemmer ist aber immer noch gering . S.a. ANBP-2 Studie : Die Rate der Myolrdinfarkte wurde durch ACE- Hemmer stärker gesenkt. Im Einfluß auf die Inzidenz von Schlaganfällen untschieden sich die beiden  Therapieregime nicht, wobei allerdings tödliche Hirninsulte unter ACE- Hemmung häufiger beobachtet wurden. Im Hinblick auf den primären Endpunkt erwies sich die ACE-Hemmer-gestütze Therapie allerdings nur bei männlichen Hypertonikern als überlegen.

Was besagt die AB/CD Regel ?

A= ACE Hemmer
B= Betablocker

C= Calcium-Antagonist
D= Diuretikum

Es hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, daß jüngere Hochdruckpatienten besser auf ACE Hemmer (A)und Betablocker (B) ansprechen und ältere (über 60 Jahre) besser auf Calcium Antagonisten (C) und auf Diuretica (D).

Diese Regel gilt vorallem für den Beginn einer Behandlung. Je nach Schwere einer Hypertonie können letztlich alle Substanzen miteinander kombiniert werden.
Beginnt man bei einem jüngeren Patienten mit einem ACE Hemmer, dann macht es z.B. mehr Sinn die Therapie bei Notwendigkeit mit einem Diuretikum vom HCT Typ zu erweitern wie eben einen Betablocker zu verwenden, da sich ACE Hemmer und Diuretika vom HCT-Typ gut ergänzen.

Welches Bluthochdruckmittel ist das Beste ?

Zu dieser Frage wurden in den vergangenen Jahren mehrfache große Studien durchgeführt.
Die wichtigste Studie war die sog. Allhat Studie.
In dieser Untersuchung hat sich gezeigt, daß die wichtigsten Medikamentengruppen wie Chlorthalidon ( ein Diuretikum ), Amlodipin ( ein Calciumantagonist ) und Lisinopril ( ein ACE Hemmer ) etwa gleich gut waren in der Wirkung. Das preiswerteste Mittel, das Diuretikum Chlorthalidon war den wesentlich teureren neueren Mitteln sogar leicht überlegen.
Eine wichtige Erkenntnis von Allhat war, daß die Gruppe mit dem Mittel Doxazocin (einem Alphablocker ) wegen des vermehrten Auftretens von Herzschwäche und Schlaganfall im Vergleich zu Chlorthalidon schlechter abschnitt und deswegen vorzeitig beendet wurde. Damit scheiden die Alphablocker aus der Gruppe der Erstanwendungsmittel natürlich aus.

Mit der LIFE Studie konnte erstmals ein sog. AT I Blocker belegen, daß er zumindest ebenbürtig in der Langzeitanwendung ist wie der Betablocker Atenolol. Die Gruppe der AT I Blocker wurde deshalb 2002 in die Gruppe der Erstanwendungsmittel aufgenommen.

Zusammenfassend: Gut belegt sind Diuretika, Betablocker, ACE Hemmer und Calciumantagonisten in ihrer krankheitsvermeidenden Wirkung. Neuerdings auch Losartan als erster AT I Blocker.
Entsprechend dem sehr günstigen Abschneiden der Substanz Chlorthalidon in der Allhatstudie sollte diese Substanz als erste in die Therapieüberlegungen bei Bluthochdruck einbezogen werden. (2007)

AUSSAGE DER ESH 2009 :
Alle folgenden Arzneimittel sind geeignet bei der Ersteinstellung wie auch bei der Dauerbehandlung des Bluthochdruckes entweder als Monotherapie oder in einer Kombinationstherapie :
Thiaziddiuretika (einschl. Chlorthalidon und Indapamid)
ß-Blocker
Calciumantagonisten
ACE-Hemmer
Angiotensin Rezeptor Blocker

Wann können Blutdruckmedikamente gestoppt werden ?

Manche Patienten meinen, dass sie die Einnahme blutdrucksenkender Medikamnte nach Normalisierung des Blutdrucks wieder stoppen können. Blutdrucksenkende Medikamente senken- wie ihr Name schon sagt – den Blutdruck, sie bewirken aber keine dauerhafte Heilung von Bluthochdruck. Insofern müssen sie dauerhaft eingenommen werden, selbst wenn die Blutdruckwerte das Normalniveau erreicht haben. Bricht man die medikamentöse Therapie dann ab, würde der Blutdruck erneut ansteigen.

Ist die Blutdrucksenkung unter 120 syst. gerechtfertigt ?

Stimmt nicht: Mehr bringt mehr
ACCORD-BP: Die Hochdruckstudie ging von der Überlegung aus, dass sich die Drucksenkung auf <120 mmHg positiv auf die Ereignisrate auswirken müsste. Schließlich empfehlen bereits die für die USA maßgeblichen Leitlinien des Joint National Committee (JNC 7) eine Senkung des systolischen Drucks bei Typ-2-Diabetikern auf <130 mmHg.
In ACCORD-BP wurde zwar das Druckziel erreicht. Nach einem Jahr antihypertensiver Therapie lag der mittlere Druck in der intensiv behandelten Gruppe bei 119,3, in der Gruppe mit Standardbehandlung bei 133,5 mmHg. Das erwies sich aber mehr oder weniger als Druckkosmetik, denn die Ereignisraten hielten sich in beiden Gruppen in etwa die Waage. Der primäre Endpunkt aus nicht tödlichem Infarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod nach einer mittleren Studiendauer von 4,7 Jahren war in keiner Gruppe signifikant besser. Allerdings erlitten 77 Patienten der Intensivgruppe und 30 der Standardgruppe typische Antihypertensiva-Nebenwirkungen wie Hypotension oder Hyperkaliämie.

Schlussfolgerung der Autoren um William Cushman, Memphis: Bei Hochrisiko-Typ-2-Diabetikern bringt die Senkung des Drucks auf <120 im Vergleich zu <140 mmHg keinen Vorteil hinsichlich tödlicher und nicht tödlicher kardiovaskulärer Ereignisse.

Empfehlung für die Behandlung ESH 2009 :

Therapieempfehlung der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie 2009: „it may be prudent to recommend “– für alle hypertensiven Patienten:
Einstellung des Blutdrucks auf Werte zwischen syst. 130-139 und diast. 80-85 mm Hg und möglicherweise nahe der unteren Werte in diesem Bereich.
… Mehr „Evidence“ wäre wünschenswert.

 

 

Reference: Behandlung von Bluthochdruck