Amiodaron und Schilddrüsenfunktion

Amiodaron und Schilddrüsenfunktion

Die Gabe von Amiodaron (ein wichtiges Mittel gegen Herzrhythmusstörungen)  ist mit einer Reihe von möglichen Nebenwirkungen belastet.

Während Lungenfibrose, Hepatitis, periphere Neuropathie, Fotosensibilisierung oder Tremor nicht so häufig auftreten, kommt es durch den hohen Jodgehalt von 39% häufig zu Störungen der Schilddrüsenfunktion.

Zu Beginn einer Amiodarontherapie kann es zu einer akuten, aber nur passageren Veränderung der Schilddrüsenfunktion und bei Dauertherapie einerseits zu einer hypothyreoten Stoffwechsellage, andererseits auf dreierleiweise zu einer Hyperthyreose kommen: Induktion einer Basedow-Krankheit aus einer latenten Stoffwechsellage heraus, Jodakkumulation in autonomen Schilddrüsenhormonbezirken und schließlich Induktion einer destruktiven Thyreoiditis mit passagerer Hyperthyreose.
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Es müssen zwei Typen von Hyperthyreose unterschieden werden: Typ 1 auf dem Boden einer schon vorhandenen latenten Stoffwechsellage (latente Basedow-Krankheit oder Schilddrusenautonomie) und Typ 2 mit einer destruktiven Thyreoiditis.

Typ 1 einer amiodaroninduzierten Hyperthyreose ist meist langwierig, auch hohe Dosen von Thyreostatika sind nicht oder nur wenig effektiv und das Absetzen von Amiodaron führt, auch über längere Zeit, oft nicht zum Verschwinden der hyperthyreoten Stoffwechsellage.
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Typ 2 einer Hyperthyreose unter Amiodaron ist eine auf Dauer sich selbst limitierende, destruktive Thyreoiditis mit verminderter Durchblutung im Schilddrüsendoppler (bei Typ 1 deutlich erhöht), hohen Serumwerten  von Interleukin-6 und einem guten Ansprechen auf Kortikosteroide. Auf Dauer kann es bei dieser Form sogar zu einer hypothyreoten Stoffwechsellage kommen.
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Aufgrund einer möglicherweise auftretenden schweren Hyperthyreose (vor allem Typ I) unter Amiodaron sollte vor dem elektiven Einsatz des Antiarrhythmikums eine komplette Schilddrüsendiagnostik  mit Schilddrüsenhonnonwerten, Thyreotropin, Thyreotropinrezeptorantikörpern und einer Schilddrüsenszintigraphie li durchgeführt werden.

DBI Der Bay. Int. 23 (2003) Nr. 2  Prof. Dr. med. D. Engelhardt
Medizinische Klinik II .Ludwig-Maximilians-Universität München

Reference: Amiodaron und Schilddrüsenfunktion