10 Fragen und Antworten zum Bluthochdruck

1. Was ist Bluthochdruck

Unter dem Begriff wird die krank machende, dauerhafte Abweichung des Ruheblutdrucks mit Werten von über 140/90 mmHg verstanden. Nach vielen Jahrzehnten der medizinischen Forschung hat sich herausgestellt, dass dauerhaft Blutdruckwerte über dieser Marke bei Erwachsenen langfristig für den menschlichen Organismus schädlich sind. Grundsätzlich kommt es zur vorzeitigen Alterung und Schädigung von Gefäßen mit Erkrankungsfolgen von unter anderem Schlaganfall, Nierenleiden, Herzleiden (Herzschwäche, Vorhof-Flimmern und Herzinfarkt) sowie Verschlusskrankheit der Beingefäße.

 2. Woher kommt Bluthochdruck?

Bei circa 90 bis 95 Prozent aller Menschen mit Bluthochdruck findet man keine einzelne Ursache für das Auftreten des Bluthochdrucks. Gleich einem Mosaik, führen sehr viele einzelne Ursachen zum Auftreten des Bluthochdrucks. Ein Hauptfaktor ist die Alterung des Gefäßsystems. Mit zunehmendem Alter der Menschen steigt die Häufigkeit der Bluthochdruck-Betroffenen kontinuierlich an. So kann man sagen, dass 50-Jährige zu etwa 50 Prozent hohen Blutdruck haben und 70-Jährige zu circa 70 Prozent hohen Blutdruck haben, usw.

Neben dem Alter sind vor allem das Übergewicht, sitzende Lebensweise, schädlicher Gebrauch von Alkohol, salz-, fleisch- und fettreiche Ernährung wichtige Mosaiksteine für das Auftreten der Hypertonie. Wichtig ist auch der Stammbaum: Es gibt keinen sicheren Erbgang für den Bluthochdruck. Bluthochdruck tritt jedoch vermehrt bei Menschen auf, in deren Familien sich Betroffene von Bluthochdruck häufen.

Ein Bluthochdruck ohne erkennbare Einzelursache wird essenzielle Hypertonie genannt.

In circa 5 bis 10 Prozent der Bluthochdruck-Erkrankten können einzelne Ursachen identifiziert und beseitigt und damit auch die Blutdruckerkrankung geheilt oder wesentlich gebessert werden. Diese sekundären Bluthochdruck-Formen sind Erkrankungen der Nieren, der Nebennieren, des Gefäßsystems oder des zentralen oder sympathischen Nervensystems.

Nach einer solchen, eher seltenen, Erkrankungen sollte immer gesucht werden, wenn Bluthochdruck besonders früh im Leben oder eine sehr schwere Form auftritt sowie wenn der Bluthochdruck krisenhaft besteht oder schwer therapierbar ist.

3. Wer kann Bluthochdruck bekommen. Wer ist davon betroffen?

Bluthochdruck kann jeder Mensch bekommen. Je älter – je eher!

Wie bereits in Frage 2 gesagt, gibt es verschiedene sogenannte Realisationsfaktoren unter denen es gehäuft zu Bluthochdruck kommt.

Das Alter ist vor allem zu nennen. Dann das Übergewicht und eine sitzende Lebensweise. Die Ernährung mit wenig Früchten, dafür viel Fleisch und Wurstwaren trägt ebenfalls zum Bluthochdruck bei. Viel Salz ist ebenfalls ungünstig. Schädlicher Gebrauch von Alkohol führt sehr häufig zum Bluthochdruck, sowohl durch eine direkte Gefäßwirkung als auch über die Aufnahme großer Energiemengen durch den Alkohol, was wiederum in Übergewicht resultiert.

4. Wie weiß ich, dass ich Bluthochdruck habe?

Bluthochdruck kann nur durch eine Messung des Blutdrucks festgestellt werden, genauer gesagt, durch die Feststellung von mehrfach erhöhten Werten. Die beste Methode um einen Bluthochdruck sicher zu diagnostizieren, ist die 24-Stunden-Messung des Blutdrucks, das sogenannte ambulante Blutdruck Monitoring (ABDM).

 5. An wen muss ich mich wenden, wenn ich vermute Bluthochdruck zu haben?

Ihr Hausarzt sollte diese Frage klären können. Grundsätzlich fällt das Problem Blutdruck und Bluthochdruck in den Fachbereich der Ärzte für Allgemeinmedizin, Innere Medizin (Internisten), Ärzte für Nierenleiden (Nephrologen) und Herzleiden (Kardiologen). In diesen Fachgruppen haben sich Kollegen auf Bluthochdruckprobleme spezialisiert. Diese Ärzte sind an der Bezeichnung Hypertensiologe (DHL® – deutsche Hochdruckliga) zu erkennen und über die Homepage der Deutschen Hochdruckliga zu finden.

 6. Ist Bluthochdruck gefährlich?

… es kommt darauf an – wie immer!

Grundsätzlich gilt, je stärker ein schädliches Ereignis ist, um so höher sind die Schäden. Dies trifft auch für den Bluthochdruck zu. Aus diesem Grund hat die Weltgesundheitsorganisation den Bluthochdruck in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt.Schweregrad WHO I bis III.

Der Schweregrad I umfasst Blutdruckwerte von 140-159 systolisch und 90-99 mmHg diastolisch und der Schweregrad III bezeichnet alle Blutdruckwerte über 180 mm Hg systolisch und >=110 mm Hg diastolisch. Der Schweregrad II umfasst die Werte zwischen systolisch 160-179 mm Hg und diastolisch 100-109 mm Hg. Ein Blutdruck der Gruppe III ist kurzfristig schon „gefährlich“ insofern, dass zeitnah bei Patienten der Gruppe III viel häufiger mit einem Schlaganfall, Nierenleiden und/oder Herzleiden gerechnet werden muss als bei der Normalbevölkerung.

7. Wie kann man Bluthochdruck behandeln?

Grundsätzlich gibt es nicht-medikamentöse und medikamentöse Behandlungswege.

Ohne Medikamente kann der Blutdruck sehr gut behandelt werden durch Gewichtsreduktion, vermehrte körperliche Bewegung (vor allem durch Ausdauersport), salzarme Ernährung, sogenannte Mittelmeerkost, Entspannungsverfahren, Stressabbau und Konfliktbewältigung.

Eine neue nicht-medikamentöse Behandlung ist die sogenannte Katheterablation im Bereich der Nierenschlagadern und eine Schrittmacherstimulation von Druckrezeptoren im Bereich der Halsschlagadern. Die Nierenschlagaderbehandlung ist bei schwerer behandlungsresistenter Bluthochdruckerkrankung angezeigt. Die Schrittmacherstimulation im Bereich der Halsschlagadern sollte noch der Forschung vorbehalten bleiben.

Die Wirkung anderer Verfahren, wie z.B. Akupunktur, Homöopathie, Zimt oder Rote Beete, auf die dauerhafte Senkung von Bluthochdruck sind allenfalls gering.

Gelingt mit den nicht medikamentösen und nicht apparativen Bemühungen keine dauerhafte Einstellung des Blutdrucks auf Werte unter 140/90 mmHg, dann sind medikamentöse Behandlungsverfahren, abhängig von der Schwere des Blutdrucks und der vorhandenen Begleiterkrankungen, zu bedenken und gegebenenfalls einzuleiten.

Erst wenn die medikamentöse Behandlung erfolglos ist, kommen gegebenenfalls die Katheterverfahren an den Nierenarterien in Frage.

 8. Muss Bluthochdruck mit Medikamenten behandelt werden?

Langfristig führt ein Blutdruck von über 140/90 mmHg zu vermehrten End-Organschäden, das heißt vermehrten Schäden an Gefäßen, vor allem des Gehirns, der Nieren, des Herzens und der Beingefäße. Je schwerer die Blutdruckerkrankung ist (Einteilung nach Schweregraden siehe Frage 6) und je mehr Begleiterkrankungen vorliegen,  umso dringlicher ist die Notwendigkeit, neben Allgemeinmaßnahmen auch Medikamente zur ausreichenden Senkung des Blutdruckes (in Bereiche von unter 140  / 90 mmHg) zu verwenden. Für Senioren gilt ein neuer Zielwert von < 150 bis 140 mmHg systolisch.

9. Wie kann man Bluthochdruck vorbeugen?

Viele Umstände sind bekannt, das sind die sogenannte Risikofaktoren, die zu hohem Blutdruck führen können. Menschen mit keinen oder wenigen Risikofaktoren, leiden seltener an Bluthochdruck als Menschen mit bekannten Risikofaktoren.

Um das Risiko eines Bluthochdrucks zu verringern, kann die Reduktion von Übergewicht und eine Ernährungsumstellung erfolgreich sein. Übergewicht, häufig aus einer fleisch- und fettreichen Ernährung, und/oder eines schädlichen Gebrauchs von Alkohol gilt es zu vermeiden. Empfohlen wird eine mediterrane Kost, reich an Obst und Gemüse.

Bewegungsmangel, der in einem Abbau der Muskulatur und einem Aufbau des Fettgewebes (Use it, or lose it!) und damit in einem geringeren Grundumsatz resultiert, bedingt Übergewicht und sollte deshalb vermieden werden. Sportliche Aktivitäten, bevorzugt Ausdauersport, sind deshalb zu empfehlen.

Eine Umstellung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten können somit einer Bluthochdruck-Krankheit vorbeugen.

10. Ist Bluthochdruck erblich?

Jein .

Eine monogenetische Ursache, das heißt eine direkte Vererbung des Bluthochdrucks an die Nachfahren ist extrem selten.

Eine familiäre Häufung von Bluthochdruck-Erkrankten, meist in Verbindung mit anderen Erkrankungen wie Blutfettleiden und Diabetes mellitus, ist aber häufig und wird mit 35 bis 50 Prozent in Studien angegeben.

Bei weltweiten Erbgutuntersuchungen wurden bislang 29 Stellen im Erbgut gefunden, die mit einem erhöhten Blutdruck in Verbindung stehen (Quelle: 2013 ESH-ECS Leitlinien).

Aus diesem Grund ist die Familienvorgeschichte ein wichtiger Baustein in der Diagnose und Therapieüberlegung bei einem Patienten mit neu entdeckter Hypertonie.

Die essenzielle Hypertonie ist eine außerordentlich heterogene Erkrankung mit einer multifaktoriellen Ursache im Sinne der Mosaiktheorie von Page.